Faktencheck

Thema Flächenverbrauch:

Behauptung 1:  „Für den Solarpark wird zu viel Fläche verbraucht.“

Sollte die PV-Anlage errichtet werden, ist das vielmehr eine Garantie dafür, dass diese 12 Hektar Fläche nicht „verbraucht“ werden, denn auf ihnen können keine Bau- oder Gewerbegebiete entstehen, wo tatsächlich Flächen „verbraucht“ d.h. versiegelt würden. Im Gegensatz dazu wird der Boden unter den PV-Modulen nur minimal versiegelt und das auch nur für die Laufzeit der Anlage.

Thema Nahrungsmittel:

Behauptung 2: „Die Äcker werden benötigt um Nahrungsmittel anzubauen.“

In Deutschland werden auf dem größten Teil der Äcker keine Nahrungsmittel zum unmittelbaren menschlichen Verzehr angebaut. Auf 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen werden Energiepflanzen zur Biogasproduktion angebaut. Dies ist immerhin ein Beitrag zur Energiewende. Auf über 50 Prozent werden jedoch Futtermittel angebaut. Auf Laichinger Gemarkung wird 14 Prozent der Ackerfläche für die Biogasproduktion verwendet, 85 Prozent  für Futtergetreide und Raps.

Tierhaltung und Fleischproduktion benötigen jedoch viel größere Flächen als der Anbau von Feldfrüchten und Getreide für den unmittelbaren menschlichen Verzehr.

Die o.g. Zahlen stehen für eine verfehlte Agrarpolitik mit einem zu hohen Tierbestand, der schlecht für das Klima und schlecht für unsere Böden ist. In Deutschland werden viel mehr Schweine, Rinder oder Hühner gehalten als für die Versorgung der Bundesbürger nötig wäre. Der deutsche Exportüberschuss im Handel mit Fleisch, Fleischwaren und Konserven betrug im Jahr 2018 1,38 Mio. t SG [Tonnen Schlachtgewicht].

Das Fleisch geht, die Gülle bleibt

 

Jährlich werden in Deutschland 200 Mio. Tonnen flüssiger Wirtschaftsdünger (Gülle) auf Äcker und Wiesen ausgebracht. Laut Umweltbundesamt ist dieser Nährstoffeintrag viel zu hoch und muss verringert werden. Die anhaltende Nitratbelastung auf deutschen Böden hat Deutschland bereits ein Vertragsverletzungsverfahren der Europäischen Union eingebracht. Die EU hat Deutschland 2016 wegen Überschreitung der erlaubten Nitratmengen vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Knapp ein Fünftel des Grundwassers in Deutschland überschreitet den erlaubten Schwellenwert von 50 Milligramm Nitrat je Liter und muss aufwendig behandelt werden.

Die subventionierte Fleisch-Überproduktion ruiniert also - zulasten der Steuerzahler - nicht nur das Trinkwasser, sondern auch die Artenvielfalt.

Agrarsystem und Nachhaltigkeit

Wie es um die Nachhaltigkeit der deutschen Landwirtschaft bestellt ist, ging das Büro für Technikfolgen-Abschätzung beim Deutschen Bundestages in einer umfangreichen Studie nach. Das Ergebnis:

 

  •   Es gibt „massive Nachhaltigkeitsdefizite auf praktisch allen Ebenen“.
  •   Die „ökologische Nachhaltigkeit habe sich verschlechtert.“
  •   „Der Einsatz von Ressourcen und Pflanzenschutzmitteln steige.“
  •   „Die Artenvielfalt nehme ab.“
  •    „Die Abhängigkeit von Futterimporten wachse.“
  •    „Intensive Formen der Nutztierhaltung ohne Auslauf nähmen zu statt ab.“
  •     „Immer häufiger würden Nutztiere eingesetzt, die einseitig auf hohe        Leistung getrimmt seien.“ (Süddeutsche Zeitung, 12.07.2019)

 

Dabei nützt das die Art und Weise, wie Landwirtschaft in Deutschland betrieben wird, nicht einmal den Landwirten selbst. Das herrschende Agrarsystem sei für drastische Arbeitsplatzverluste und ein anhaltendes Höfesterben verantwortlich.

Vor allem Großbetriebe profitieren von einem System, das in erster Linie Agrarkonzernen und der Agro-Chemie zu Gute kommt, das vom Deutschen Bauernverband, allen voran Präsident Joachim Rukwied, jedoch gegen alle Widerstände verteidigt wird.

„Allein in den vergangenen acht Jahren starben 4700 Höfe. Bundesweit gab es seit dem Jahr 2000 einen Rückgang von 196 568 Betrieben oder 42 Prozent. Schuld daran waren weder Natur-, Umwelt- oder Klimaschützer. Stattdessen trieb vor allem eine verfehlte EU-Agrarpolitik nach dem Motto "Wachsen oder Weichen" viele Landwirte in den Ruin.“ (Kontext Wochenzeitung, Ausgabe 445)

Literatur

·         Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), „BUND-Studie Nitrat im Trinkwasser. Problemlage, aktuelle Forschungsergebnisse und Analyse bisher eingeschlagener Lösungswege“

https://www.bund.net/fileadmin/user_upload_bund/publikationen/fluesse/fluesse_trinkwasser_nitrat_studie.pdf

·         Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, „Bericht zur Markt- und Versorgungslage Fleisch 2019“

·         https://www.ble.de/SharedDocs/Downloads/DE/BZL/Daten-Berichte/Fleisch/2019BerichtFleisch.pdf?__blob=publicationFile&v=2

·         Deutscher Bundestag, Wissenschaftliche Dienste, Kurzinformation: Quantitative Angaben zu Aufbringung, Transport und Import von Gülle

https://www.bundestag.de/resource/blob/527172/843713801f63311ed38a882384584c23/WD-5-056-17-pdf-data.pdf#page=2&zoom=auto,-107,654

·         Deutsche Welle, „Deutschlands Gülleproblem“, 29.10.2014

https://www.dw.com/de/deutschlands-g%C3%BClleproblem/a-18024836

·         Kontext Wochenzeitung Politik, Ausgabe 445

https://www.kontextwochenzeitung.de/politik.html?tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Bnews%5D=6229&tx_pwcomments_pi1%5Baction%5D=new&tx_pwcomments_pi1%5BcommentToReplyTo%5D=23960&tx_pwcomments_pi1%5Bcontroller%5D=Comment&cHash=fcb1dec13e758ae46faab7f018f593f4

·         Schwäbische Zeitung, „Argumente im schnellen Schlagabtausch“, 28.10.2019 (Printausgabe)

·         Südwestpresse, „Drama von enormem Ausmaß“, 09.02.2018

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb/drama-von-enormem-ausmass-24778514.html

„Insektensterben: Blumenwiese statt Rasen“, 30.11.2018

https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/alb-donau/insektensterben_-blumenwiese-statt-rasen-28470384.html

·         NDR, „Gülle in Fülle - Das sind die Fakten“, 28.03.2018

https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/Guelle-in-Fuelle-Das-sind-die-Fakten,guelle556.html#Frage1

·         Süddeutsche Zeitung, „Sterbende Höfe, belastete Äcker“,12.07.2019

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bauern-landwirtschaft-nachhaltigkeit-1.4520651

·         Der Tagesspiegel, „Giftiges Grundwasser, giftige Luft“, 30.01.2019

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/zu-viel-guelle-auf-feldern-giftiges-grundwasser-giftige-luft/23923852.html

·         Die Welt, „Deutschland muss zum Gülle-Rapport nach Brüssel“, 28.08.2019

https://www.welt.de/wirtschaft/article199291830/Nitrat-Heftiger-Streit-ueber-Kloeckners-Guelle-Konzept.html

·         Umweltbundesamt

https://www.umweltbundesamt.de/themen/fakten-zur-nitratbelastung-in-grund-trinkwasser



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