Position des BUND Laichingen zum Bürgerentscheid in Laichingen

Klimawandel und die Folgen

Der Klimawandel schreitet unaufhörlich voran. Wer die Warnungen der Klimaforscher bisher für Alarmismus hielt, muss zur Kenntnis nehmen, dass die Prognosen offenbar eher zurückhaltend waren. Mittlerweile deutet vieles auf eine erhebliche Beschleunigung hin. Die atmosphärische Kohlendioxid-Konzentration ist höher als jemals zuvor, die wärmsten bisher gemessenen Jahre waren die letzten vier und der Juni 2019 weltweit der wärmste seit Beginn der Wetterauszeichnungen. Die Veränderungen sind überall sichtbar und spürbar.

 

Hier Meldungen aus diesem Jahr:

  • 10. Januar 2019: Ozeane heizen sich um 40 Prozent schneller auf […] als bisher angenommen.
  • 21. Januar 2019: Das Eis im Südwesten Grönlands schmilzt schneller als vermutet.
  • 12. Februar 2019: Das Volumen der meisten Gletscher in Asien ist kleiner als bisher angenommen
  • 24. Februar 2019: Kanadas Wälder speichern wegen Klimaschäden, Waldbränden, Insektenbefall und Abholzung weniger CO2 als bisher gedacht.
  • 27. März 2019: der arktische Permafrost taut viel schneller auf als gedacht.
  •   6. Juni 2019: Gefahr durch auftauende Permafrostböden ist viel größer als angenommen – weil diese in Alaska etwa zwölf Mal mehr N2O (Lachgas) abgeben als prognostiziert.

In den Alpen schmelzen die Gletscher im Rekordtempo, große Teile Deutschlands litten 2018 unter Dürre und Wassermangel, bei teilweise erheblichen Verlusten für die Landwirtschaft und andere Wirtschaftszweige. Der gravierende Wassermangel in den Jahren 2018 und 2019 hat weite Teile des deutschen Waldes in Mitleidenschaft gezogen. Ein neues Waldsterben zeichnet sich ab, bei dem nicht nur die für Trockenheit anfälligen Fichten, sondern sogar Laubbäume wie Buchen abstarben, die eigentlich für höhere Temperaturen geeignet schienen.

Wer sich vor Augen hält, dass der Temperaturanstieg zwischen der Eiszeit und dem Jahr 1900 gerade einmal drei Grad Celsius betrug, bekommt eine Ahnung davon, was weitere drei Grad anrichten könnten. Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem das Überleben der Menschheit – wenigstens in der bisherigen Form - ernsthaft in Gefahr ist. 

Deutschland hinkt bei der Energiewende hinterher

Deutschland hat im Klimaabkommen von Paris zugesagt, bis 2050 klimaneutral zu werden, d.h. bis dahin muss der Netto-Ausstoß von Klimagasen komplett heruntergefahren werden. Das für 2020 selbstgesteckte Ziel einer Senkung des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 wird nicht erreicht werden, weil die Maßnahmen der Bundesregierung völlig unzureichend gewesen sind. Die Bundesregierung hat es insbesondere versäumt, die Zahl der PV-Dachanlagen massiv zu steigern, sie hat im Gegenteil den Ausbau durch gesetzliche Hürden verlangsamt, die Ausbauziele „gedeckelt“ und damit den Ausbau der Erneuerbaren Energien insgesamt verlangsamt. Es reicht auch nicht aus, wenn die Stromproduktion aus Erneuerbaren gedeckt wird. Zwar decken die Erneuerbaren bereits 38 Prozent der Stromerzeugung, aber lediglich 14 Prozent der Wärme und gerade einmal 6 Prozent des Verkehrs. Der Anteil der erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch (Strom, Wärme und Verkehr zusammen) betrug im Jahr 2018 gerade einmal16,6 Prozent.

Beitrag zur Energiewende und zum Naturschutz

Vergleicht man den Stromertrag im Verhältnis zur Fläche, sind Energiepflanzen (Mais, Gras, Getreide etc.) der Photovoltaik hoffnungslos unterlegen. Um auf den Stromertrag einer Modulfläche von einem Hektar zu kommen, müsste man auf mindestens 20 Hektar Energiepflanzen anbauen. Anders ausgedrückt: Um auf die gleiche Stromernte zu kommen, muss für Photovoltaik nur 5% der landwirtschaftlichen Fläche in Anspruch genommen werden, die Biogas-Anlagen mit Maisanbau benötigen. So gesehen ist jeder Solarpark im Vergleich zu Biogas ein Beitrag zum Flächenschutz. Und anders als von Gegnern der Photovoltaik auf Freiflächen oftmals behauptet, sind die dafür verwendeten Flächen nicht verloren, sondern werden nur minimal versiegelt und nach ihrer Nutzungsdauer können die Module wieder rückstandsfrei abgebaut werden.

 

Photovoltaik verursacht keinen Lärm, keine Geruchsbelästigung, keine Schwertransporte. Der ökologische Wert, insbesondere was den Lebensraum für Insekten und Kleintiere betrifft, ist von vornherein höher als der von intensiv bearbeitetem Ackerland, weil die Wiesen unter den Modulen weder gedüngt noch gespritzt werden. Ein Solarpark kann geradezu ein Refugium für Insekten sein, wenn durch entsprechende Einsaat von heimischem Saatgut gute Insektenweiden entstehen. Von diesen können auch standorttreue Wildbienen profitieren, da die Anlagen für einen längeren Zeitraum errichtet werden.

Eine Freiflächenphotovoltaik-Anlage auch in dieser Größe ist vertretbar, weil in Anbetracht des voranschreitenden Klimawandels schnelles Handeln erforderlich ist. Die Zahl der heute vorhandenen Dachanlagen und die Geschwindigkeit beim Zubau von Dachanlagen reichen nicht aus um die Klimaziele zu erreichen.

Laichingen kann durch den Bau dieser Anlage wieder ganz vorne in der Solarliga mitspielen und Vorreiter in Sachen Energiewende werden.

Aus den genannten Gründen spricht sich der BUND Laichingen für den Solarpark im Gewann Reute aus und ruft dazu auf, beim Bürgerentscheid am 10.11.2019 mit „Ja“ zu stimmen.



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