Windenergie erweist sich als Publikumsmagnet

Angenehm überrascht zeigte sich BUND-Vorsitzender Christian Killius angesichts der Kulisse von über 50 Teilnehmern, die der Einladung des BUND Laichingen zur Besichtigung des Windparks Westerheim am Samstag gefolgt waren. Die Veranstaltung war auch im Rahmen des Aktionsprogramms „Klimaschutzregion Schwäbische Alb“ gelistet, was auch erklärte, warum zahlreiche Interessierte aus einem größeren Einzugsgebiet erschienen waren. Mit Raimund Kamm aus Augsburg hatte sich zudem ein prominenter Vertreter der Anti-Atombewegung und Vorkämpfer der Energiewende eingefunden.

Killius erklärte zur Einführung, man habe bei der Erstellung des Jahresprogramms das Thema Windkraft wieder einmal ins Bewusstsein bringen wollen. Mit dem Regierungswechsel habe die Veranstaltung zum Thema Windenergie angesichts der von der neuen Landesregierung gesteckten ehrgeizigen Ziele eine unerwartete Aktualität bekommen, denn nun solle der Anteil der Windkraft an der Stromproduktion, der im Land bisher bei unter einem Prozent liegt, in zehn Jahren verzehnfacht werden. Dies komme rechnerisch einem jährlichen Zubau von 150 weiteren Anlagen gleich. Letztes Jahr habe es aber nur 8 neue Anlagen in Baden-Württemberg gegeben (Vergleich Saarland: 13).

Rolf Böhringer, Geschäftsführer des Verbands der Erzeuger Erneuerbarer Energien, der seine Ausführungen in Sichtweite des Windparks am Parkplatz vor dem Ortsschild begann, stellte zunächst fest, dass die vier Anlagen des Windparks 1800 Haushalte mit Strom versorgen können. Was die Erzeugung von Haushaltsstrom im gesamten Alb-Donau-Kreis betrifft, könne dieser schon fast komplett durch erneuerbare Energien abgedeckt werden, wobei die Windkraft mit 39 Windkraftanlagen wiederum ein gutes Viertel (70 MW von 260) dazu beitrage. Am Problem der Effizienz von Windkraftanlagen entzündete sich eine kleine Kontroverse, als einer der Teilnehmer die Windenergie generell in Frage stellte „Warum soll man noch neue Windräder aufbauen, wenn sie ineffizient sind?“, was Rolf Böhringer mit dem Hinweis begegnete, auch bei mittlerem Wind werde Strom erzeugt. Raimund Kamm gab zu Bedenken, dass bei guten Windverhältnissen Kohlekraftwerke gedrosselt werden könnten, verbunden mit der entsprechenden CO2-Einsparung.

Rolf Böhringer erklärte zwar, dass die letzten Jahre weniger Wind geweht habe und damit der Stromertrag geringer ausgefallen sei, allerdings produziere eine Windkraftanlage nicht nur im Volllastbetrieb Strom. Einig war sich die Runde in der Erkenntnis, dass das Problem der Windkraft die großen Schwankungen sind, die ausgeglichen werden müssten. Deswegen seien auch Stromspeicher von entscheidender Bedeutung.

Im zweiten Teil der Führung erläuterte Böhringer anhand der Schaubilder des ENBW-Pavillons im Windpark vor allem technische Fragen wie die Funktionsweise des Schaltgetriebes, daneben auch finanzielle Gesichtspunkte, wie Mindestbeteiligung und Rendite auf das eingesetzte Kapital.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war die Besichtigung eines der Windräder, das Böhringer durch das Verstellen der Rotorblätter in der Längsachse anhielt, um es dann wieder anzufahren. 50 Köpfe reckten sich gen Himmel und verfolgten das Manöver mit einem gewissen Respekt. Sobald die 77 Meter langen Rotorblätter wieder in den Wind gedreht waren, fingen sie sich erst gemächlich, dann immer schneller an zu drehen. „300 kWh“ rief Böhringer schließlich und war ob der Ausbeute zufrieden.

Den zahlreichen Besuchern musste Rolf Böhringer eine Menge Fragen beantworten und wartete mit so manchem interessanten Detail auf. So können sich Gondel und Rotor zum Beispiel dreimal um 360 Grad drehen, bevor sie sich wieder „entdrillen“ müssen. Oder: Wann steht ein Windrad still? Antwort: bei zu wenig Wind, zu viel Wind, beim „Entdrillen“ und einem technischen Defekt. Überhaupt sei es gar nicht so, dass Windräder immer zuverlässig ihren Dienst tun. Regelmäßig müssten sie gewartet, Verschleißteile ausgetauscht werden. Gewaltige Fundamente im Boden stünden nicht nur unter, sondern auch vor einer Windkraftanlage, um den monströsen Kränen Halt zu geben, wenn Rotoren oder andere Teile abgenommen werden müssten. Wie es mit der Windkraft auf der Laichinger Alb weitergehe? Rolf Böhringer plant neue Windkraftanlagen im Dreieck Westerheim, Hohenstadt, Laichingen. Erste Verhandlungen mit Landwirten seien bereits im Gange.



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