Der BUND hat sein 25-Jähriges nicht mit nostalgischen Rückblicken und langatmigen Festreden, sondern mit einem Vortrag über Desertec gefeiert.

EVA MENNER

Laichingen. Zum 25-jährigen Jubiläum des BUND Laichingen gab es statt langer Festreden einen Blick in die Zukunft. Michael Wittmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sprach über das Projekt „Desertec“, das auf solarthermische Kraftwerke in den Wüsten setzt, um Strom für den Großraum Europa, Mittlerer Osten und Nordafrika, kurz EU-MENA, zu erzeugen. Das Fragezeichen im Titel „Strom aus der Wüste?“ strich Wittmann von vornherein: Das sei keine Frage, sondern ökologisch notwendig und technisch machbar. „Jetzt muss die Politik ran.“ Keine leichte Aufgabe, wie er betonte: Eine Vielzahl von Staaten, auch solche, die nicht konfliktfrei miteinander umgehen, müssen an einem Strang ziehen. Doch wenn alle durch ein Projekt verknüpft sind, kann das zu einem friedlichen Miteinander führen.“ 2003 wurde die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation gegründet, um das Potenzial erneuerbarer Energien in den 50 EU-MENA-Ländern zu untersuchen. Dabei sei die Idee entstanden, in der Wüste Strom zu erzeugen und damit auch Europa zu versorgen. Drei Studien veröffentlichte das DLR im Auftrag des Bundesumweltministeriums: einmal wurden Energiebedarf und -potenzial geprüft, einmal die Frage, wie der Strom in die Verbrauchszentren gelangt, drittes Thema waren Wasserknappheit und Meereswasserentsalzung.

„Mit Spiegeln werden die Sonnenstrahlen gebündelt und in Wärme umgewandelt, mit der Dampfturbinen und sogar Gasturbinen betrieben werden können“, sagte Wittmann. Die Technik sei robust und erprobt. Seit 1985 laufe eine Anlage in Kalifornien, die nach der zweiten Ölkrise errichtet worden war. „Nachdem das Problem der endlichen Energievorräte zeitweise in Vergessenheit geraten war, wurden in den vergangenen Jahren Anlagen in Nevada und Spanien errichtet.“ Das Kraftwerk in Guadix habe eine Leistung von 50 Megawatt und eine Speicherkapazität von sieben Stunden. Damit stehe fast rund um die Uhr Strom zur Verfügung. Der Strom werde mit Verlusten von 10 bis 15 Prozent nach Europa transportiert.

Bis 2050, so die Prognosen, wird der Strombedarf in Europa kaum steigen, sich im EU-MENA-Gebiet aber wegen des Bevölkerungsanstiegs und des Aufholbedarfs mancher Länder verdoppeln. Energie aus fossilen Brennstoffen, kann gemäß der Studien auf weniger als die Hälfte zurückgefahren werden, der CO2-Ausstoß, der sich sonst verdoppeln würde, auf 38 Prozent reduziert wird. „Es ist nicht so, dass wir Europäer Kraftwerke bauen und allen Strom zu uns transportieren“, verwahrte sich Wittmann gegen Kritik. Zuerst wäre eine Versorgung der Erzeugerländer geplant, dann der Transport nach Europa. Dazu entstünden Arbeitsplätze und Energie für die Meereswasserentsalzung. Ein Prozent der Fläche in den betroffenen Regionen werde für Kraftwerksflächen und Leitungen verbraucht, angesichts der ökologischen Vorteile ein Preis, der zu verschmerzen sei, befand Wittmann.

Der Artikel wurden uns freundlicherweise von der Südwestpresse zur Verfügung gestellt. Erschienen am 17. November 2009.



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