"Erneuerbare Energien haben viel zu bieten"

Laichingen.  Alle Energie in Deutschland lässt sich aus erneuerbaren Energien gewinnen. Diese These erläuterte Benjamin Schott vom ZSW im Vortrag.

Von Ulrike Ruopp

Die Energieversorgung in Deutschland könnte vollständig aus erneuerbaren Energien erfolgen. Diese Meinung vertrat Benjamin Schott vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW) in Stuttgart am Freitag im Bürgersaal des Alten Rathauses Laichingen. Auf Einladung des BUND Laichingen sprach der junge Systemanalytiker vor rund 80 Besuchern am Freitagabend über das Thema "100 Prozent Erneuerbare Energien - Wie kann die Energiewende gelingen?".

Ausgangspunkt des einstündigen Vortrags war der momentane Stand der Nutzung erneuerbarer Energiequellen und die Entwicklung während der vergangenen Jahre. "Im Jahr 2000 betrug der Anteil der erneuerbaren Energien am gesamten Energieverbrauch drei Prozent, heute sind es zehn und bis 2020 sollen es laut Bundesregierung 18 Prozent sein", berichtete der Mitarbeiter der gemeinnützigen Stiftung mit Standorten in Ulm, Stuttgart und Widderstall.

Der größte Anteil beim Einsatz von erneuerbaren Energien entfalle dabei auf die Stromproduktion. Auf diesem Sektor und seinen Herausforderungen lag dann auch der Schwerpunkt der Präsentation. "Grüner Strom wird momentan hauptsächlich aus Windkraft und Biomasse gewonnen." Oft stießen jedoch die bestehenden Netze an ihre Grenzen. Außerdem stagniere der Ausbau von Wind- und Wasserkraftanlagen. "Die möglichen Standorte für Wasserkraftwerke sind begrenzt, es werden aber zu wenig Bauplätze für Windkraftanlagen genehmigt", erläuterte Schott. Der Biomasse- und Photovoltaik-Sektor verzeichne hingegen vor allem im Süden ein starkes Wachstum. "Die komplette Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien ist nur durch einen Energiemix aus Wind- und Wasserkraft, Photovoltaik, Biomasse und Geothermie möglich." Bedarfsgerechte Einspeisung, der Ausgleich der fluktuierenden Stromerzeugung durch Energiespeicher, der Aus- und Umbau der Stromnetze, die Nutzung der Abwärme über Kraftwerk-Kopplungen, der Gebrauch von Elektrofahrzeugen, die Senkung des Stromverbrauchs durch Anschaffung sparsamer Geräte oder durch gute Wärmedämmung: Das sind weitere Voraussetzungen, um erneuerbarer Energiegewinnung mehr Raum zu gewinnen.

"Wir müssen hinreichend intelligente Netze aufbauen, die zum Beispiel über einen europäischen oder kontinentübergreifenden Netzverbund Schwankungen in Angebot und Nachfrage ausgleichen können." Der Verbrauch könnte durch variable Tarife gesteuert, eine konstante Einspeisung durch die Verknüpfung unterschiedlicher Stromerzeuger erreicht werden. Ein Problem sei die momentan noch geringe Speicherkapazität. Aber auch hierfür hat das Forschungsinstitut eine Lösung parat: Überschüssige Wind- und Solarenergie könnte über eine Kombination aus Wasserstoff-Elektrolyse und Methanisierung in Methan umgewandelt und damit im Erdgasnetz gespeichert werden.

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von der Südwestpresse zur Verfügung gestellt.

Erschienen am 15. November 2010



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