Laichingen.  Gebannt verfolgten 15 Kinder, was der Biologe Jochen Hartmann und die Naturpädagogin Tine Mehls über Fledermäuse zu erzählen wussten. Im Anschluss bauten sie Fledermauskästen.

Brigitte Scheiffele 

Fledermäuse begeben sich im Frühsommer auf Wohnungssuche. Doch leider gibt es für sie immer weniger alte Dachböden, Scheunen, Mauerfugen oder Fensterläden, wo sie ihr Domizil einrichten können. Deswegen haben der Biologe Jochen Hartmann und die Naturpädagogin Tine Mehls vom BUND in Laichingen einigen Kindern gezeigt, wie ein idealer Tagesschlafplatz für die heimischen Nachtjäger aussehen kann und diesen dann auch mit 15 Kindern gebaut. Ausreichende Informationen rund um die Lebensweise von Fledermäusen gab"s zuvor: Von Jochen Hartmann und Tine Mehls so lebendig gestaltet, dass die ganze Kinderschar gebannt auf Informationen lauerte, die sie selbst noch nicht wusste.

Im Sommer jagen Fledermäuse von Sonnenuntergang bis in die Nacht herumschwärmende Insekten. Bevorzugte Jagdreviere sind alle Orte, an denen sich Fluginsekten, auch durch Lichteinwirkung, konzentriert aufhalten. An diesen Orten beziehen die Fledermäuse auch ihre Wochenstuben, wo im Frühsommer viele Weibchen ihre Jungen gebären und aufziehen. Im Winter halten Fledermäuse einen Winterschlaf in Quartieren, die sie alljährlich wieder aufsuchen, denn Fledermäuse sind ortstreu. Manche von ihnen beziehen hohle Bäume, andere frostgeschützte Felshöhlen oder Spalten und Ritze in Mauern und Baumrinden.

"Sie sind eher alleine unterwegs, außer im Frühling und im Winter. Im Winterschlaf hängen sie gemeinsam ab, denn das gibt Wärme", sagt Hartmann und erklärt den Kindern noch einmal die Winterschlafstarre und wie es möglich ist, dass Fledermäusen nicht übel wird, wenn sie kopfüber nach unten hängen: "Sie haben ein spezielles Kreislaufsystem, welches das ermöglicht." Aber "wenn man draußen hängt und wird eingeschneit, ist das eklig", fügt Tine Mehls hinzu. Außerdem könnten Fledermäuse dann leichte Beute für Feinde sein. Viele Höhlen seien im Winter geschlossen, damit Fledermäuse nicht in ihrem Winterschlaf gestört würden.

Weil natürliche "Unterkünfte" rar geworden sind, bauen die Kinder aus Holz ein Fledermaushaus. Dieses sieht so ganz und gar nicht aus wie ein Vogelhaus: "Kein Licht, keine Zugluft und es muss trocken sein", sagt Jochen Hartmann. Weil weder Katze noch Marder herankommen dürfen, sollte die Mindesthöhe 3,50 Meter betragen. Und weil es die Tierchen warm mögen, wäre die Anbringung Richtung Südost bis Südwest und halbschattig ideal. "Fledermäuse mögen keine Schaukeln und die Befestigung sollte sicher sein", erklärt der Biologe weiter. Schlagregen, starken Wind mögen sie auch nicht. Freier Anflug muss möglich sein, die Tiere wollen überhaupt nicht gestört werden: "Also nicht dauernd reingucken, weil man wissen will, ob da eine drinnen ist. Die kommt nie mehr wieder", erklärt Tine Mehls.

"Fledermauskästen werden oft erst nach zwei oder drei Jahren angenommen, aber dann werden sie jedes Jahr genutzt, denn Fledermäuse besitzen ein extrem gutes Ortsgedächtnis", sagt Hartmann. Zusätzlich würden die Kästen als Überwinterungsquartier verschiedener Insekten genutzt wie Marienkäfer, Schmetterlinge, Hummeln oder Wildbienen.

Fledermausexperten vermuten, dass sich die Tiere ab Ende August auf die Suche nach Winterquartieren begeben. In dieser Zeit beginnt die Auflösung ihrer Wochenstube, sie endet mit dem endgültigen Bezug eines frostfreien Winterquartiers. In dieser Suchphase entdecken Fledermäuse neu aufgehängte Kästen, die sie sich merken und möglicherweise im kommenden Jahr als Sommerquartier beziehen.

Erschienen am 1.6.2012

Dieser Artikel wurde uns freundlicherweise von der SÜDWEST PRESSE zur Verfügung gestellt.

(Fotos: C. Killius)



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