Muskelkraft für Mutter Natur

Dass Hecken und Bäume schon in der Jungsteinzeit als Abgrenzung dienten, ist eine der Informationen in Laichingens neuem Naturlehrpfad.

Laichingen sz Durch eine gemeinsame Pflanzaktion von Mitgliedern der Laichinger Gruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) ist am Samstag ein Gehölzlehrpfad entstanden. Interessierte Besucher finden ihn im und um das bereits bestehende Arboretum beim Waldklassenzimmer im Erholungswald vor Westerlau.

„Graben, buddeln, einsetzen, wässern, Schilder befestigen – das ist heute unsere Aufgabe“, sagte Christian Killius, Ortsgruppenvorsitzender des BUND, zur großen Pflanzaktion. Etwa 15 mit Spaten und Hacken ausgestattete Helfer standen hierfür parat. Das Ziel: In Verbindung mit einem Lehrpfad für einheimische Sträucher und Hecken eine Bienen- und Schmetterlingsweide sowie Nährgehölze für Vögel zu schaffen. Außerdem: Die Bedeutung einheimischer Hecken bewusst zu machen und Anregungen für Pflanzen im eigenen Garten zu geben. Der Kommentar von BUND-Regionalgeschäftsführerin Daniela Fischer: „Tun wir mal was gegen die Thuja-Flut in den Vorgärten. Auch Sträucher bieten Sichtschutz und die Früchte sind sogar verwertbar. Liguster ist auch immer grün.“

Hecken, so sind sich die BUND-Mitglieder einig, haben eine lange Geschichte: Schon in der Jungsteinzeit dienten sie zur Abgrenzung von Weide- und Ackerflächen. Mitunter hatten sie sogar eine Verteidigungsfunktion, man denke an die Dornenhecken. In moderner Zeit wurden Hecken als lebende Zäune aber abgelöst durch Stacheldraht und Elektrozäune. Damit ging eine wichtige ökologische Funktion verloren. Und in den heutigen Gärten werden überwiegend Nadelgehölze als Sichtschutz gepflanzt.

Weiter Wissenswertes befindet sich ab sofort auf zwei großen Informationstafeln vor der Schulwaldhütte, die Christian Killius und Lothar Graf zum Lehrpfad einheimischer Sträucher und Hecken angefertigt haben. Diese Tafeln leiten den Weg zum Lehrpfad ein. Zudem sind alle weiteren Pflanzen des Lehrpfades mit einem kleinen Steckbrief versehen, der Aufschluss gibt über die Merkmale, die Ökologie und die Verwendung von Pflanze und Frucht. Über einen QR-Code können Besucher sogar Vorschläge zur Verarbeitung der jeweiligen Beeren herunterladen.

Firma Uzin-Utz trägt Kosten

Gemeinsam hat die Laichinger BUND-Ortsgruppe die Einkaufsliste der Hecken erstellt, die nun im Erholungswald Vor Westerlau zu finden sind: 23 Pflanzen kamen am Samstag in die Erde, darunter vier Wildrosenarten, zwei Holundersorten, Hartriegel, die Felsenbirne, Mispel, Kornelkirsche, Liguster und viele mehr. Hilfreich im Vorfeld war Revierförster Alfred Daiber, denn geeignete Pflanzenstellen oder auch zu ersetzende Sträucher innerhalb des Arboretums galt es mit ihm abzusprechen. Die Pflanzen im Wert von 500 Euro stammen auf Empfehlung von Daiber aus einer lang bewährten Baumschule in Hohenstein.

Für die Herstellung der Informationstafeln und der dazugehörigen Erdspieße sind Kosten in Höhe von 900 Euro entstanden. „Das wäre ohne ein Sponsoring nicht möglich gewesen“, sagt Daniela Fischer und verweist an die Firma Uzin-Utz und die bereits schaufelnden Mitarbeiterinnen Eva Maria Haser und Alina Schauf (Management Consulting). Beide betonen: „Geld soll nicht nur fließen, wir wollen auch dabei sein. Nachhaltigkeit und Regionalität werden gefördert.“

Weitere Gewächse wurden gepflanzt am „Katzensteig“, einer alten Deponie, auf der vorhandenen Wiese neben dem vom BUND angelegten Feuchtbiotop, um dieses aufzuwerten. „Der Speierling und die Elsbeere sind auch alte Wildobst-Bäume, die im Arboretum aber schon vorhanden sind. Seltene Bäume, von denen wir aber noch jeweils zwei beim Biotop im Katzensteig pflanzen konnten“, sagt Ferenc Capo. Er mag besonders die alten Wildobst-Arten wie Mispel, Felsenbirne oder Kornelkirsche: „Sie sind fast in Vergessenheit geraten, obwohl die Früchte so lecker und gesund sind.“

Dieser Artikel von Brigitte Scheiffele erschien am 11.10.2016 in der Schwäbischen Zeitung.

Foto und Artikel wurden uns freundlicherweise von media muta zur Verfügung gestellt.



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